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Wissenswertes Kooperation mit der Ev. Kirchengemeinde Roxheim

Die Ev. Kirchengemeinden Bockenau-Sponheim und Roxheim haben einen Kooperationsvertrag beschlossen, der vorsieht, dass ich ab dem 01.02.2019 nicht mehr nur in unserer Kirchengemeinde tätig sein werde, sondern zusätzlich die Pfarramtliche Versorgung in Mandel, St. Katharinen, Braunweiler und Sommerloch übernehme. Im Gegenzug wird meine Pfarrstelle von 75% auf 100% aufgestockt, die dann zu 60 % von der Ev. Kirchengemeinde Bockenau-Sponheim und zu 40 % von der Ev. Kirchengemeinde Roxheim finanziert werden wird. 

Dieser Entscheidung ging ein umfangreicher Beratungsprozess voraus, der im Juni in die Entscheidung zur Kooperation mündete. Wir hatten darüber immer wieder in der Posaune berichtet.

In den vergangenen Monaten ging es dann um die inhaltliche Ausgestaltung der Kooperation. Dazu wurde aus Mitgliedern beider Presbyterien eine Arbeitsgruppe gebildet, die hier Ideen für die verschiedenen Arbeitsfelder entwickelte:

Im Bereich des Gottesdienstes wird mit der Ev. Kirche in Mandel eine vierte Predigtstätte hinzukommen, wo im Wechsel mit den Ev. Kirchen in Bockenau, Sponheim und Burgsponheim im 14tägigen Rhythmus Gottesdienste gefeiert werden sollen. 

Eine besondere Herausforderung stellen dabei die Feiertage dar. Hier wird es, in der Regel einen weiteren  Gottesdienst geben.  So kommt zum Beispiel an Heiligabend zu den drei Gottesdiensten in unserer Kirchengemeinde eine Christmette in Mandel hinzu. 

An den Feiertagen, an denen das nicht möglich ist,  müssen wir entweder auf den Vorabend ausweichen oder es werden 3 Gottesdienste angeboten, wobei sich die Orte Jahr für Jahr abwechseln. 

Die Tradition der zentralen Gottesdienste soll beibehalten werden und Konfirmationen in allen vier Kirchen gefeiert werden, wenn die Zahl der Konfirmanden dies hergibt.  Dadurch wird  der 14tägige Rhythmus regelmäßig unterbrochen. Das war auch bisher schon so, wird aber in Zukunft häufiger geschehen.

Die in den nächsten Jahren zu erwartende Gesamtzahl an Konfirmanden macht es möglich, weiterhin  mit einer Konfirmandengruppe auszukommen, die sich im Ev. Jugendheim in Bockenau trifft.  Zu den  Jugendlichen aus Bockenau, Sponheim und Burgsponheim kommen die Jugendlichen aus Mandel, Sommerloch, Braunweiler und St. Katharinen hinzu. Bei den Angeboten für Jugendliche ist eine engere Zusammenarbeit geplant, in die auch die Kirchengemeinde Gebroth-Winterburg miteinbezogen sein wird. 

Ich werde zukünftig auch die Betreuung des Seniorenkreises und des Kindergottesdienstes in  Mandel übernehmen. 

Im Bereich der Amtshandlungen (Taufen, Trauungen, Beerdigungen) werde ich deutlich stärker gefordert sein. 

Das mir zur Verfügung stehende Zeitbudget werde ich in höherem Maß für diese Aufgaben verwenden müssen. 

Diese Zeit fehlt dann natürlich anderswo und das, was ich bisher für die Seelsorge aufwenden konnte, muss nun für deutlich mehr Menschen reichen. 

Um hier dennoch einen Freiraum zu behalten, z. B.  für  Besuche im Krankenhaus, haben wir im Presbyterium beschlossen, den Geburtstagsbesuchsdienst  umzuorganisieren und zu reduzieren.

Bisher wurden Geburtstagskinder ab dem 70. Lebensjahr besucht, künftig wird dies erst ab dem 80. Lebensjahr geschehen. Die Besuche vom 81. bis zum 89. Lebensjahr übernimmt der Besuchsdienst. Zum 80. Geburtstag und ab dem 90. Geburtstag werde ich weiterhin vorbeikommen. Damit passen wir uns wie viele andere Kirchengemeinden den veränderten demografischen Bedingungen an.

Kommt es so wie geplant, werden sich die Veränderungen für die beiden Kirchengemeinden in Grenzen halten. Für mich werden die Aufgaben größer, bleiben aber machbar  und meine Pfarrstelle wird aufgestockt.  Grund genug mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen. 

Andererseits sehe ich auch die Risiken. Was wir planen ist das eine, die Wirklichkeit, in der wir uns wiederfinden, oft etwas ganz anderes. Die Gefahr zwischen allen Stühlen zu enden, ist mir durchaus bewusst.  Mehr zu verdienen ist immer eine schöne Sache, aber nichts, wofür es sich lohnen würde, die eigene Gesundheit  zu riskieren.  Ich bin gerne Pfarrer, aber ich weiß auch sehr genau, was geschieht, wenn man so tut als seien einem keine Grenzen gesetzt. Ich habe an dieser Stelle gelernt meine Erwartungen und die anderer zu hinterfragen und darauf zu achten, dass es auch Zeiten der Erholung für mich gibt. Dieses Gleichgewicht zu finden ist eine bleibende Aufgabe. Das wird unter den sich verändernden Bedingungen sicher nicht einfacher, aber ich hatte in den letzten Jahren bereits zusätzliche Aufgaben in anderen Kirchengemeinden übernommen und dabei gute Erfahrungen gemacht. 

Wie tragfähig eine Lösung wirklich ist, finden wir nur  heraus, wenn wir uns auf sie einlassen. Ein Kooperationsvertrag kann im schlimmsten Fall auch wieder gekündigt werden, aber er enthält zunächst einmal die Chance, die notwendig gewordenen Strukturveränderungen so zu gestalten, dass alle beteiligten damit leben können. 

Das wird nur dann gelingen, wenn nicht nur ich mich auf den Weg mache, sondern auch die Menschen in unseren beiden Kirchengemeinden. Das wir das können,  traue ich uns allen zu. 

Die eigenen Erwartungen an die Realität anzupassen, ist eine Herausforderung vor der wir alle ein Leben lang stehen, immer und immer wieder.   Eine Aufgabe,  die uns mal leichter und ein anderes mal auch schwerer fällt, die aber grundsätzlich lösbar und der Schlüssel zu innerer Zufriedenheit und einem gelingenden Miteinander ist. 

„Einer trage des Anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Galater 6,2).  Ja, so könnte es gehen. Mit einem „ Das war schon immer so“ im Mund oder einem „Alles nur für mich“ im Herzen kommen wir jedenfalls nicht allzu weit. Aber das wissen wir eigentlich auch und das können wir alle besser.